BIM im Architekturbüro: Einstieg für kleine Büros

BIM lohnt sich für ein kleines Architekturbüro, wenn es öffentliche Auftraggeber bedient, mit Fachplanern an größeren Projekten arbeitet oder Bestandsgebäude dokumentiert. Für ein Büro mit reinem Einfamilienhaus-Geschäft und zwei Mitarbeitern bleibt der Aufwand höher als der Nutzen.

📋 Kurz zusammengefasst

Der Masterplan BIM für Bundesbauten (BMI/BMVg, September 2021) macht BIM bei neu geplanten Bundeshochbauten verbindlich; die Stufe III erreicht ab 2027 auch kleinere Maßnahmen. Nach der BAK-Befragung arbeiten 13 Prozent der Büros unter zehn Personen mit BIM, bei Büros ab 250 Personen sind es 90 Prozent. Der Einstieg kostet ein Drei-Personen-Büro im ersten Jahr rund 18.600 Euro, davon mehr als die Hälfte eigene Arbeitszeit. Entscheidend ist nicht die Software, sondern die Frage, wer im Büro das Modell pflegt.

Was heißt BIM im Architekturbüro konkret?

BIM (Building Information Modeling) bedeutet, dass ein Gebäude als Datenmodell entsteht: Bauteile tragen Eigenschaften wie Material, U-Wert, Brandschutzklasse und Kosten, und Grundrisse, Schnitte und Mengen werden aus diesem Modell abgeleitet. Ein Planwerk ist dann Ausgabe, nicht Arbeitsstand.

Der praktische Unterschied zur 3D-Zeichnung zeigt sich beim ersten Änderungswunsch. In einer klassischen CAD-Zeichnung ist eine verschobene Wand eine Linie in sieben Plänen. Im Modell ist sie ein Objekt, das in allen abgeleiteten Darstellungen mitwandert, inklusive Wandliste und Flächenberechnung. Genau dort entsteht der Zeitgewinn, und genau dort entsteht auch der Mehraufwand: Wer Bauteile schlampig attributiert, bekommt falsche Mengen statt keiner Mengen.

Zwei Begriffe begleiten jedes BIM-Projekt. Ein Common Data Environment (CDE) ist die gemeinsame Datenumgebung, über die alle Beteiligten Modelle und Pläne austauschen, mit definierten Freigabestufen. IFC (Industry Foundation Classes, genormt als ISO 16739-1) ist das herstellerneutrale Austauschformat; wer darüber arbeitet, macht openBIM, wer nur innerhalb einer Produktfamilie bleibt, macht closed BIM. Für kleine Büros ist openBIM die realistischere Variante, weil sie die Fachplaner nicht auf das eigene Programm festlegt.

Die organisatorische Seite regeln zwei Dokumente, die in Ausschreibungen auftauchen: die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) legen fest, welche Daten der Bauherr wann in welcher Tiefe braucht, der BIM-Abwicklungsplan (BAP) beschreibt, wie das Planungsteam das umsetzt. Beide Begriffe und die zugehörigen Rollen stehen in DIN EN ISO 19650-1 und -2, der internationalen Norm für das Informationsmanagement mit BIM. Wer diese beiden Abkürzungen nicht sicher einordnen kann, bewirbt sich auf eine öffentliche BIM-Ausschreibung besser noch nicht.

Ist BIM in Deutschland Pflicht?

Eine allgemeine BIM-Pflicht für Architekten existiert nicht. Verpflichtend wird BIM über den Auftraggeber: Bei Bundesbauten ist die Methode gesetzt, bei privaten Bauherren bleibt sie Verhandlungssache. Für ein kleines Büro entscheidet also die Auftraggeberstruktur, nicht der Gesetzgeber.

Der Fahrplan des Bundes steht im Masterplan BIM für Bundesbauten, herausgegeben im September 2021 vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und vom Bundesministerium der Verteidigung. Er arbeitet mit drei Stufen und einer Schwelle von 50 Millionen Euro Bauvolumen:

Stufe Inhalt Verbindlich
I — Einführung Bedarfsplanung, Planung, Übergabe und Inbetriebnahme über den Gebäudelebenszyklus ab Anfang 2023, alle neu geplanten Bundeshochbauten
II — AVA und Bauausführung Modellbasierte Mengen, Kosten und Leistungsverzeichnisse in den HOAI-Phasen 6 bis 8 ab Mitte 2023 für Maßnahmen über 50 Mio. Euro
III — medienbruchfrei Modellbasierte Termin- und Logistikplanung, Genehmigung, Abrechnung, Nachweise ab Mitte 2025 über 50 Mio. Euro, ab 2027 auch für kleinere Maßnahmen

Quelle: Masterplan BIM für Bundesbauten, BMI und BMVg, Stand September 2021; Recherchestand Oktober 2026. Im Infrastrukturbau des Bundes gilt BIM bereits seit Ende 2020 als Vergabevoraussetzung, flankiert vom BIM-Portal des Bundes, das seit Oktober 2022 Merkmale und Vorlagen bereitstellt.

Die Zeile, auf die kleine Büros achten sollten, ist die letzte: ab 2027 für kleinere Maßnahmen. Wer regelmäßig für Bundesbehörden, Landesbetriebe oder kommunale Bauämter plant, hat damit einen datierten Anlass im Kalender. Länder und Kommunen folgen dem Bund nicht automatisch, orientieren sich in ihren Ausschreibungen aber zunehmend an denselben Begriffen.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Die HOAI 2021 kennt BIM nicht als Grundleistung. BIM-Leistungen wie Modellkoordination oder BIM-Management sind Besondere Leistungen und müssen gesondert vereinbart und vergütet werden; eine Orientierung bietet AHO-Heft Nr. 11. Wer eine BIM-Ausschreibung zum Grundleistungshonorar annimmt, arbeitet die Modellpflege unbezahlt ab.

So viele kleine Büros arbeiten bisher mit BIM

Kleine Büros bilden die Mehrheit des Berufsstands, nutzen BIM aber selten. Nach der berufspolitischen Befragung der Bundesarchitektenkammer arbeiten 13 Prozent der Büros mit weniger als zehn Beschäftigten mit BIM. Bei Büros ab 250 Beschäftigten sind es 90 Prozent.

Dazu zwei Zahlen zur Größenordnung des Berufsstands. Die BAK-Strukturbefragung für das Berichtsjahr 2023 weist eine durchschnittliche Bürogröße von 4,6 tätigen Personen aus; 89 Prozent der Büros haben weniger als zehn Personen, 66 Prozent sind Einzelunternehmen. Das kleine Büro ist also nicht der Sonderfall, sondern der Normalfall, und für diesen Normalfall ist BIM derzeit die Ausnahme.

Über alle Fachrichtungen hinweg nutzten in der BAK-Befragung (Erhebung Mitte 2021, 14.176 Teilnehmende, veröffentlicht im Deutschen Architektenblatt am 4. März 2022) 28 Prozent BIM oder führten es ein, bei Gebäudeplanern 29 Prozent, bei Stadtplanern 8 Prozent. Als Gründe gegen BIM nannten die Nichtnutzer fehlende Nachfrage der Bauherren, keinen erkennbaren Mehrwert für die eigene Arbeit, hohe Investitionskosten und fehlendes qualifiziertes Personal. Die Nutzer nannten als Vorteile bessere Kontrolle komplexer Projekte, weniger Fehler durch Kollisionsprüfung und wegfallende Doppeleingaben.

Interessant ist die Nutzungsart nach Größe: Kleine Büros setzen BIM überdurchschnittlich oft für die Bestandserfassung ein, während Kollisionsprüfung, Simulationen und As-built-Modelle mit der Bürogröße zunehmen. Für ein Zwei- bis Fünf-Personen-Büro ist der naheliegende Einstieg deshalb nicht das Neubauprojekt mit fünf Fachplanern, sondern ein Bestandsgebäude, das ohnehin aufgemessen werden muss.

💡 Expert Insight

Die Zahlen aus der BAK-Befragung zeigen eine Lücke, die in Ausschreibungen teuer wird: Nutzer bewerten die eigene BIM-Kompetenz überwiegend als mittel (56 Prozent), die Kompetenz ihrer Projektpartner dagegen zu etwa einem Drittel als niedrig. In der Praxis heißt das, dass das eigene saubere Modell an einem Fachplaner scheitern kann, der IFC-Dateien ohne Attribute liefert. Deshalb gehört in den BAP ein Prüfschritt mit festem Termin, nicht nur ein Austauschformat.

Was kostet der BIM-Einstieg ein kleines Büro?

Der BIM-Einstieg kostet ein Drei-Personen-Büro im ersten Jahr rund 18.600 Euro, wenn zwei Arbeitsplätze umgestellt werden. Lizenzen und Hardware machen davon etwa ein Drittel aus, der größere Teil ist eigene Arbeitszeit für Vorlagen, Bibliotheken und Einarbeitung.

Belastbare Lizenzpreise sind schwer zu bekommen, weil die meisten Hersteller keine Listenpreise veröffentlichen. Autodesk nennt auf der deutschen Revit-Produktseite einen Einstieg ab 259 Euro pro Monat und weist für Ein- und Dreijahresabos eine Ersparnis von 33 Prozent gegenüber dem Monatspreis aus (Stand Oktober 2026). Daraus ergibt sich gerechnet ein Jahrespreis von etwa 2.080 Euro pro Arbeitsplatz. Graphisoft (Archicad), Allplan und Vectorworks veröffentlichen für den deutschen Markt keine vergleichbaren Listenpreise; Angebote laufen dort über Vertriebspartner, und für Einzelbüros und Berufseinsteiger gibt es gesonderte Konditionen. Wer vergleichen will, muss drei Angebote einholen.

Die folgende Rechnung legt ihre Annahmen offen, damit Sie sie durch Ihre eigenen Zahlen ersetzen können. Ausgangslage: drei Personen, zwei BIM-Arbeitsplätze, ein Bestandsprojekt als Pilot.

Position Annahme Jahr 1 Jahr 2
Software, 2 Arbeitsplätze 2.080 € je Platz, gerechnet aus dem Autodesk-Einstiegspreis 4.160 € 4.160 €
Hardware 2 Workstations à 2.500 €, auf 3 Jahre verteilt 1.670 € 1.670 €
Schulung extern Grundkurs für 2 Personen, 1.500 € je Person 3.000 € 500 €
Eigene Arbeitszeit 150 Stunden für Bürovorlage, Bauteilbibliothek, Attributlogik, bewertet mit 65 €/h 9.750 € 2.600 €
Summe Summe der Positionen 18.580 € 8.930 €

Zwei Posten verdienen einen zweiten Blick. Die 150 Stunden sind keine Schulungszeit, sondern Aufbauarbeit: eine Bürovorlage mit Layern, Bauteiltypen, Beschriftungsregeln und Attributen, die danach in jedem Projekt wiederverwendet wird. Büros, die diesen Posten streichen, zahlen ihn später pro Projekt erneut. Und die Hardware fällt nur ins Gewicht, wenn die Rechner älter als drei Jahre sind; moderne Geräte mit dedizierter Grafikkarte reichen für Projekte in der Größe eines Mehrfamilienhauses.

Was in der Rechnung bewusst fehlt: ein Produktivitätsgewinn. Im ersten Jahr gibt es keinen. Realistisch wird das Pilotprojekt langsamer als dasselbe Projekt in 2D, weil parallel das Regelwerk entsteht. Wer den Einstieg über ein Projekt mit knappem Termin legt, bezahlt das mit Überstunden.

Für welche Büros lohnt sich BIM, für welche nicht?

BIM lohnt sich für kleine Büros bei öffentlichen Auftraggebern, bei Projekten mit mehreren Fachplanern, bei Bestandsarbeit mit Bauteilkatalog und bei wiederkehrenden Gebäudetypen. Es lohnt sich nicht bei überwiegend privaten Einzelbauherren, bei reiner Entwurfsleistung und bei Büros ohne feste Person für die Modellpflege.

Der folgende Vier-Fragen-Vorfilter kommt vor jeder Softwarefrage. Er braucht zehn Minuten und spart im Zweifel eine fünfstellige Fehlinvestition.

  1. Woher kamen die letzten zehn Aufträge? Mindestens drei von öffentlichen Auftraggebern oder von Investoren mit eigenem Projektsteuerer: BIM ist eine Frage der Zeit, nicht des Ob. Null: der Druck kommt nicht aus dem Markt, sondern aus der Fachpresse.
  2. Arbeiten Sie in den Phasen 5 bis 8 oder nur bis zur Genehmigung? Wer Ausführungsplanung und Bauüberwachung macht, holt den Modellaufwand über Mengen, Kollisionsprüfung und Nachträge zurück. Wer nach Phase 4 abgibt, trägt den Aufwand und ein anderer kassiert den Nutzen.
  3. Gibt es eine Person, die das Modell verantwortet? BIM braucht eine zuständige Person für Vorlage, Namenskonventionen und Modellprüfung, mit mindestens einem halben Tag pro Woche dafür. Ohne diese Person zerfällt das Modell nach dem zweiten Projekt in Sonderlösungen.
  4. Wiederholen sich Ihre Gebäudetypen? Kitas, Wohnbauten, Filialen, Pflegeeinrichtungen: Wiederholung macht Bibliotheken wertvoll. Bei jedem Projekt ein Unikat aus Sonderbauteilen amortisiert sich die Bibliothek nie.

Die Auswertung ist bewusst grob. Drei oder vier Ja: Einstieg planen, Pilotprojekt wählen, Budget nach der Tabelle oben ansetzen. Zwei Ja: Zwischenweg gehen, also IFC-Dateien lesen und prüfen können, ohne selbst modellbasiert zu planen. Null oder ein Ja: bei 2D bleiben und das Geld in Zeiterfassung, Projektcontrolling oder Dokumentenverwaltung stecken, wo es bei dieser Bürostruktur schneller wirkt. Welche Kategorien dafür in Frage kommen, zeigt der Software-Finder.

Der Zwischenweg wird unterschätzt. Ein Büro, das IFC-Modelle öffnen, Mengen auslesen und Kollisionen prüfen kann, ist in einem BIM-Projekt als Fachplaner anschlussfähig, ohne die eigene Planung umzustellen. Viewer und Prüfwerkzeuge dafür sind teils kostenfrei, der Lernaufwand liegt bei Tagen statt Monaten.

Die Softwarefrage kommt zuletzt, openBIM zuerst

Für die Autorensoftware kommen im deutschen Markt vor allem Archicad, Revit, Allplan und Vectorworks Architektur in Frage. Die Auswahl entscheidet weniger der Funktionsumfang als die Frage, mit welchem Format die Fachplaner im Umfeld arbeiten und wie gut der Export nach IFC in der Praxis läuft.

Ein kleines Büro sollte drei Dinge testen, bevor es unterschreibt, und zwar mit einem eigenen echten Projekt, nicht mit der Demodatei des Anbieters. Erstens den IFC-Export: Kommen Bauteiltypen, Attribute und Geschosszuordnung beim Fachplaner lesbar an? Zweitens die Planausgabe: Sieht ein Bauantragsplan aus dem Modell so aus, wie Ihr Büro ihn abgibt, oder kostet jede Beschriftung Nacharbeit? Drittens den Datenaustausch mit dem Statiker oder TGA-Planer, mit dem Sie am häufigsten arbeiten.

Beim CDE stellt sich die Standortfrage. Cloudbasierte Umgebungen sind schnell einsatzbereit und bei wechselnden Projektpartnern praktisch, verlangen aber eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung und eine Klärung, wem die Daten nach Projektende gehören. Eine Übersicht der Abwägung steht im Glossar unter Cloud oder lokale Installation. Für die Auswahlsystematik insgesamt, von Anforderungsliste bis Testphase, hilft Branchensoftware auswählen: ein Leitfaden in sieben Schritten.

Ein Punkt, der in Produktpräsentationen selten vorkommt: Der Übergang zur Behörde ist noch kein Modellprozess. Eingereicht werden weiterhin Planunterlagen in festgelegten Formaten, auch wenn das Verfahren digital läuft. Wie dieser Teil praktisch abläuft, steht in Digitaler Bauantrag: Ablauf und Voraussetzungen für Planungsbüros.

Welche Fehler machen kleine Büros beim BIM-Einstieg?

Die fünf häufigsten Fehler sind: Einstieg über ein Projekt mit knappem Termin, Modellierung ohne Attributkonzept, fehlende Namenskonvention, BIM-Leistungen ohne gesonderte Vergütung und ein Alleingang ohne Absprache mit den Fachplanern. Alle fünf kosten Geld, keiner liegt an der Software.

Der Terminfehler ist der teuerste. Ein Pilotprojekt braucht Luft, weil parallel zur Planung das Regelwerk entsteht. Geeignet ist ein kleines Bestandsprojekt oder ein Gebäudetyp, den das Büro ohnehin wiederholt. Ungeeignet ist der Wettbewerbsbeitrag mit vier Wochen Frist.

Der Attributfehler fällt erst spät auf. Wände, Türen und Fenster werden gezeichnet, aber nicht mit Material, Brandschutz oder Bauteil-ID versehen. Das Modell sieht dann richtig aus und liefert trotzdem keine brauchbare Mengenliste. Wer von Anfang an festlegt, welche fünf bis zehn Attribute jedes Bauteil tragen muss, bekommt nach dem ersten Projekt eine belastbare Grundlage.

Beim Honorar entsteht der Fehler in der Angebotsphase. Modellkoordination, Modellprüfung und Datenlieferungen nach AIA sind Besondere Leistungen nach HOAI und müssen als solche kalkuliert werden. Ein Büro, das den Aufwand in das Grundleistungshonorar einrechnet, finanziert die Digitalisierung des Auftraggebers.

Der Alleingang schließlich: Ein saubereres Modell nützt nichts, wenn der TGA-Planer per PDF antwortet. Vor dem Projektstart gehören Austauschformat, Austauschtermine, Softwareversionen und eine zuständige Person pro Fachbereich in ein kurzes Dokument, auch bei einem Vier-Beteiligten-Projekt. Warum Einführungsprojekte unabhängig von der Branche scheitern, zeigt Softwareeinführung im Betrieb: warum Projekte scheitern.

Zwölf Monate bis zur ersten BIM-Ausschreibung

Ein belastbarer Einstieg dauert etwa zwölf Monate: drei Monate Vorbereitung und Vorlagenbau, sechs Monate Pilotprojekt, drei Monate Nacharbeit und Standardisierung. Danach ist das Büro in der Lage, eine Ausschreibung mit AIA-Anforderungen anzunehmen.

In den ersten drei Monaten entstehen die Dinge, die später nicht mehr entstehen: Bürovorlage, Bauteilbibliothek für die eigenen Standarddetails, Namenskonvention für Modelle und Pläne, Attributliste. Parallel läuft die Grundschulung. Diese Phase hat keinen Außenbezug und wird deshalb gern übersprungen, was sich in Phase zwei bitter rächt.

Im Pilotprojekt gilt eine Regel: ein Ziel pro Projekt. Modellbasierte Mengenermittlung oder Kollisionsprüfung, nicht beides. Wer alle Anwendungsfälle gleichzeitig testet, kann hinterher keinen davon zuverlässig anbieten.

Die dritte Phase entscheidet, ob die Investition trägt. Hier wird aus dem Pilotprojekt eine Vorlage: Was hat funktioniert, wandert in die Bürobibliothek, was gescheitert ist, in eine kurze schriftliche Festlegung. Büros, die diese Phase auslassen, fangen beim nächsten Projekt wieder bei null an und erklären BIM danach für unwirtschaftlich.

💬 Meine Einschätzung

Die gängige Annahme lautet, kleine Büros scheiterten an den Lizenzkosten. Die Zahlen sprechen dagegen: In der Beispielrechnung oben sind Software und Hardware zusammen rund 5.800 Euro, die eigene Aufbauarbeit mit 9.750 Euro deutlich mehr. Der eigentliche Engpass ist deshalb nicht das Budget, sondern eine Person mit Zeit und Mandat für Vorlagen und Modellprüfung. Dazu passt der Befund der BAK-Befragung, dass Nichtnutzer fehlendes qualifiziertes Personal und fehlende Bauherrennachfrage gleichrangig neben die Investitionskosten stellen. Für Büros ohne öffentliche Auftraggeber ist die vernünftigste Entscheidung im Moment deshalb nicht der Vollumstieg, sondern IFC-Lesefähigkeit plus ein Blick auf die 2027er-Stufe des Masterplans.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Keine allgemeine BIM-Pflicht; verbindlich ist BIM bei Bundeshochbauten seit Anfang 2023, Stufe III erreicht ab 2027 auch kleinere Maßnahmen
  • 13 Prozent der Büros unter zehn Personen nutzen BIM, gegenüber 90 Prozent bei Büros ab 250 Personen (BAK-Befragung 2021)
  • Einstiegskosten im Rechenbeispiel: 18.580 Euro im ersten Jahr, davon 9.750 Euro eigene Arbeitszeit
  • Der Vier-Fragen-Vorfilter entscheidet vor der Softwarefrage: Auftraggeberstruktur, Leistungsphasen, Zuständigkeit, Wiederholung
  • BIM-Leistungen sind Besondere Leistungen nach HOAI und gehören gesondert ins Angebot
  • Zwischenweg für Büros mit zwei Ja: IFC lesen und prüfen können, ohne modellbasiert zu planen

Häufige Fragen zu BIM im Architekturbüro

Brauche ich für BIM einen BIM-Manager im Büro?

Ein kleines Büro braucht keine eigene BIM-Manager-Stelle, aber eine zuständige Person für Vorlage, Namenskonventionen und Modellprüfung. In Projekten mit mehreren Fachplanern übernimmt die BIM-Gesamtkoordination oft ein externer Dienstleister oder der Projektsteuerer des Bauherrn; diese Leistung ist nach HOAI eine Besondere Leistung.

Was ist der Unterschied zwischen openBIM und closed BIM?

openBIM tauscht Modelle über das herstellerneutrale Format IFC (ISO 16739-1) aus, closed BIM bleibt innerhalb einer Produktfamilie eines Herstellers. Für kleine Büros ist openBIM in der Regel die sinnvollere Wahl, weil die Fachplaner dann nicht auf dieselbe Software festgelegt sind.

Lohnt sich BIM für ein Ein-Personen-Büro?

Für ein Ein-Personen-Büro lohnt sich der Vollumstieg selten, weil die Modellpflege dieselbe Aufbauarbeit erfordert wie im größeren Büro, aber auf weniger Projekte verteilt wird. Nach dem Vier-Fragen-Vorfilter spricht ein Ja, nämlich wiederkehrende Gebäudetypen, oft für einen Teileinstieg mit IFC-Lesefähigkeit.

Muss ich für einen digitalen Bauantrag mit BIM planen?

Der digitale Bauantrag verlangt kein Gebäudemodell. Eingereicht werden Planunterlagen in den von der Bauaufsicht festgelegten Formaten, meist PDF, über ein Portal des jeweiligen Landes. BIM und digitale Bauantragsverfahren sind zwei getrennte Entwicklungen.

Welche Norm regelt BIM-Projekte?

DIN EN ISO 19650-1 und -2 regeln das Informationsmanagement in BIM-Projekten, einschließlich der Begriffe Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA), BIM-Abwicklungsplan (BAP) und Common Data Environment (CDE). Für den deutschen Markt ergänzt die VDI-Richtlinienreihe 2552 die Anwendung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Masterplan BIM für Bundesbauten, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und Bundesministerium der Verteidigung, : Stufen I bis III und Fristen für Bundeshochbauten, abrufbar über bimdeutschland.de
  • BIM Deutschland, Informationsportal des Bundes : BIM-Portal, Merkmale und Vorlagen für öffentliche Auftraggeber, online seit Oktober 2022
  • Bundesarchitektenkammer, berufspolitische Befragung 2021 mit 14.176 Teilnehmenden, ausgewertet im Deutschen Architektenblatt vom : BIM-Nutzung nach Bürogröße und Fachrichtung
  • Bundesarchitektenkammer, Strukturbefragung : durchschnittliche Bürogröße 4,6 tätige Personen, 89 Prozent der Büros unter zehn Personen
  • Autodesk, deutsche Produktseite Revit: Einstiegspreis und Abo-Konditionen, Stand Oktober 2026
  • DIN EN ISO 19650-1 und DIN EN ISO 19650-2: Informationsmanagement mit BIM, Begriffe AIA, BAP, CDE
  • ISO 16739-1: Industry Foundation Classes (IFC) als herstellerneutrales Austauschformat, buildingSMART
  • HOAI 2021 und AHO-Heft Nr. 11: BIM-Leistungen als Besondere Leistungen und deren Vergütung

Recherchestand: 15. Oktober 2026. Fristen und Preise vor einer Entscheidung bei der jeweiligen Quelle prüfen.

Markus Götz

Verantwortlicher Redakteur

Markus Götz

Markus Götz verantwortet Inhalt und Redaktion von Branchen-Software im Sinne von § 18 Abs. 2 MStV. Er betreibt mehrere deutschsprachige Fach- und Vergleichsportale und verantwortet hier die Auswahl der Datenquellen, die Methodik hinter den Vergleichen und die redaktionelle Linie. Hinweise auf veraltete oder falsche Angaben nimmt er direkt entgegen: markus@branchen-software.de

Branchen-Software
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.